Literarischer Salon

12. Oktober
„Carlos und Herr Socke“
von Anna-Beata Mirsching
Autorinnenlesung

16. November
„Die Analphabetin, die rechnen konnte“
Roman von Jonas Jonasson
vorgestellt von Bettina Maghsoudi

14. Dezember
Heiteres von und mit Rotraud Morell

jeweils um 19.30 Uhr in der „Bürgerstube“
im sogenannten „Uralten Rathaus“
(eigentlich Altes Pfarrhaus)

Die Idee des literarischen Salons entstand in einem Gespräch zwischen Franziska Biswanger, der früheren Leiterin der Büdinger Stadtbücherei und Dr. Volkmar Stein, ehemals Studienleiter am Büdinger Gymnasium und Gründungsmitglied des Kulturkreises, unter dessen Fahne die Reihe von Anfang an segelte.
Der Name erinnert an eine Zeit geselliger Kultur im frühen 19. Jahrhundert.

Wie damals, so fanden die Abende zunächst auch in Büdingen im privaten Rahmen statt – in der Wohnung von Franziska Biswanger (Brunostraße 12) die sie dafür großzügig zur Verfügung stellte. Dr. Volkmar Stein übernahm es, das Programm zusammenzustellen und das Gespräch, wo nötig, zu leiten. Am 31. Januar 1986 trafen sich in der Brunostraße 12 außer den beiden Initiatoren Gudrun und Martin Bauss, Dr. Klaus Peter Decker, Dr. Erich Edler, Otti Jaeger, Carla Kleinau, Thomas Kremer, Vera Ploch, Jürgen Thau und Dr. Franz Ullmann.

Die Regeln, die damals verabredet wurden, gelten noch heute. Man trifft sich in der Regel einmal im Monat – außer im sommerlichen Hauptferienmonat. Grundform ist das Gespräch über ein Werk der älteren, neueren oder zeitgenössischen Literatur, in das ein Mitglied der Runde auf seine eigene Weise einführt; im Idealfall haben das Werk alle Teilnehmer gelesen, die Realität weicht davon oft etwas ab. Andere Formen sind Lesungen aus eigenen Werken (Carla Kleinau, Hermann Knaus, Walter Schubert) oder Rätselraten über anonym vorgelegte Texte.

Das Ende jeden Abends bildet ein Gedicht, das nur vorgelesen, über das nicht diskutiert wird. Dieses Gedicht wählte zunächst die Hausherrin Franziska Biswanger aus. Als es ihr aus gesundheitlichen Gründen im Laufe des Jahres 1988 nicht mehr möglich war, ihre Wohnung zur Verfügung zu stellen, fand der Literarische Salon dank der Stadt Büdingen im Alten Pfarrhaus (lange Zeit als Uraltes Rathaus bezeichnet) gegenüber der Marienkirche eine schöne Bleibe. Der Brauch, eine Tasse Tee anzubieten, konnte beibehalten werden, weil die „Bürgerstube“ dafür gerüstet ist. Die Auswahl und den Vortrag des Gedichts übernahm Carla Kleinau.

Der literarische Salon hat einen kleinen Kern, die Teilnahme steht aber jedem Interessenten frei und schwankt stark. Als eine Massenveranstaltung war er nie gedacht. Seit 1986 war er an mehr als 300 Abenden für jeden der wollte, zu Gesprächen über die Merseburger Zaubersprüche und die göttliche Komödie, über Hesse und Thomas Mann, über Böll, Frisch, Grass und Lenz, über Thomas Bernhard, Robert Schneider und Judith Hermann geöffnet. Das ist in einer Zeit, in der die Moden so rasch wechseln, nicht wenig.

Dr. Volkmar Stein