Literarischer Salon

Aufgrund der aktuellen Situation sind die kommenden, ursprünglich geplanten  Ausgaben des Literarischen Salons abgesagt.

Leider muß zudem die langjährige Leiterin des „Literarischen Salons“ Frau Carla Kleinau aus gesundheitlichen Gründen diese Aufgabe in andere Hände legen. Wir möchten Ihr an dieser Stelle ganz herzlich danken, dass sie in den zurückliegenden Jahren so unermüdlich die Veranstaltungsreihe betreut und so vielen Menschen einen Zugang zur Literatur ermöglicht hat. Uns als geschäftsführendem Vorstand war sie stets eine erfahrene und besonnene Beraterin. Lange Jahre war sie selbst erste Vorsitzende des Vereins und eine treibende Kraft. Wir wünschen ihr alles Gute, natürlich vor allem Gesundheit.

Glücklicherweise ist es uns gelungen ein neues Leitungsteam zu finden. Erste, inspirierende Gespräche wurden in den zurückliegenden Wochen geführt. Nun ist es an der Zeit mit den Teilnehmern des „Literarischen Salons“ zu sprechen, um das Konzept der zukünftigen Veranstaltungen zu besprechen. Dazu werden wir – auch dieses Verfahren ist der Corona-Pandemie geschuldet – persönlich per Post einladen. Sollten Sie in den nächsten Tagen keine Post von uns erhalten, sie aber an der Teilnehme an diesem Gespräch interessiert sein, melden Sie sich bitte bei uns (Kontaktdaten finden Sie am unteren Ende in der rechten Spalte), damit wir auch Sie zu diesem Gespräch, dass in der zweiten Oktoberhälfte stattfinden soll, einladen können.

Wir hoffen die Reihe im neuen Jahr wieder aufnehmen zu können.

Zur Historie des „Literarischen Salons“:

Die Idee des literarischen Salons entstand in einem Gespräch zwischen Franziska Biswanger, der früheren Leiterin der Büdinger Stadtbücherei und Dr. Volkmar Stein, ehemals Studienleiter am Büdinger Gymnasium und Gründungsmitglied des Kulturkreises, unter dessen Fahne die Reihe von Anfang an segelte.
Der Name erinnert an eine Zeit geselliger Kultur im frühen 19. Jahrhundert.

Wie damals, so fanden die Abende zunächst auch in Büdingen im privaten Rahmen statt – in der Wohnung von Franziska Biswanger (Brunostraße 12) die sie dafür großzügig zur Verfügung stellte. Dr. Volkmar Stein übernahm es, das Programm zusammenzustellen und das Gespräch, wo nötig, zu leiten. Am 31. Januar 1986 trafen sich in der Brunostraße 12 außer den beiden Initiatoren Gudrun und Martin Bauss, Dr. Klaus Peter Decker, Dr. Erich Edler, Otti Jaeger, Carla Kleinau, Thomas Kremer, Vera Ploch, Jürgen Thau und Dr. Franz Ullmann.

Die Regeln, die damals verabredet wurden, gelten noch heute. Man trifft sich in der Regel einmal im Monat – außer im sommerlichen Hauptferienmonat. Grundform ist das Gespräch über ein Werk der älteren, neueren oder zeitgenössischen Literatur, in das ein Mitglied der Runde auf seine eigene Weise einführt; im Idealfall haben das Werk alle Teilnehmer gelesen, die Realität weicht davon oft etwas ab. Andere Formen sind Lesungen aus eigenen Werken (Carla Kleinau, Hermann Knaus, Walter Schubert) oder Rätselraten über anonym vorgelegte Texte.

Das Ende jeden Abends bildet ein Gedicht, das nur vorgelesen, über das nicht diskutiert wird. Dieses Gedicht wählte zunächst die Hausherrin Franziska Biswanger aus. Als es ihr aus gesundheitlichen Gründen im Laufe des Jahres 1988 nicht mehr möglich war, ihre Wohnung zur Verfügung zu stellen, fand der Literarische Salon dank der Stadt Büdingen im Alten Pfarrhaus (lange Zeit als Uraltes Rathaus bezeichnet) gegenüber der Marienkirche eine schöne Bleibe. Der Brauch, eine Tasse Tee anzubieten, konnte beibehalten werden, weil die „Bürgerstube“ dafür gerüstet ist. Die Auswahl und den Vortrag des Gedichts übernahm Carla Kleinau.

Der literarische Salon hat einen kleinen Kern, die Teilnahme steht aber jedem Interessenten frei und schwankt stark. Als eine Massenveranstaltung war er nie gedacht. Seit 1986 war er an mehr als 300 Abenden für jeden der wollte, zu Gesprächen über die Merseburger Zaubersprüche und die göttliche Komödie, über Hesse und Thomas Mann, über Böll, Frisch, Grass und Lenz, über Thomas Bernhard, Robert Schneider und Judith Hermann geöffnet. Das ist in einer Zeit, in der die Moden so rasch wechseln, nicht wenig.

Dr. Volkmar Stein