Literarischer Salon

Seit nunmehr fünf Jahren wird der Literarische Salon gemeinsam von Julia Bopp, Vanessa Dippel und Oda Foerster geleitet.

Im Mittelpunkt eines jeden Abends -im Laufe des Jahres sind es vier, im Februar, Mai, August und November – steht ein Buch.

Die eigenständige Lektüre des Buchs im Vorfeld ist vorausgesetzt.

Wichtiger Hinweis:
Zur Zeit gibt es leider keine freien Plätze. Wenn Sie aber Interesse haben zu gegebener Zeit als regelmäßige Besucherin bzw. Besucher zum Kreis dazuzustoßen, schicken Sie uns eine kurze Nachricht
(E-Mail an literatur@kulturkreis-buedingen.de
oder telefonisch ( 06041 / 9691870 )),
wir setzen Sie gerne auf die Warteliste.

Jedes Jahr ist unter ein Thema gestellt.
2026 „Lesen über Natur: Von der Zuflucht bis zur Gegenmacht“

Im Hinblick auf das Jahr 2027, in dem Büdingen Teil der Landesgartenschau sein wird, widmet sich unser Lesekreis dem Verhältnis von Mensch und Natur. Die Landesgartenschau steht für Gestaltung, Pflege und Zukunftsbilder von Landschaft. Zugleich aber rückt der Klimawandel die Frage in den Vordergrund, wie sehr die Natur inzwischen uns gestaltet. In vier Romanen wollen wir literarisch erkunden, wie sich diese Beziehung im Wandel der Zeiten spiegelt, von der Natur als Zuflucht über ihr
Gedächtnis vergangener Leben bis hin zur Gegenwart, in der sie selbst zum handelnden Akteur wird.
Das Lesejahr versteht sich als Einladung zur Reflexion über die Schönheit, die Verletzlichkeit und die Verantwortung, die im Gestalten von Natur liegt.

Folgende Bücher stehen 2026 im Mittelpunkt

Februar – Truman Capote „Die Grasharfe“ (Originaltitel: The Grass Harp, 1951)
Der Waisenjunge Collin lebt bei seinen Tanten Dolly und Verena. Als Verena Dollys Heilmittelgeschäft an sich reißen will, fliehen Dolly, Collin und die Hausangestellte Catherine in ein Baumhaus. Dort entdecken sie Freiheit und Zusammenhalt, bevor sie schließlich mit einem neuen Verständnis von Liebe und Menschlichkeit in die Gesellschaft zurückkehren. Capote zeigt mit der Kraft der Natur die Gegensätze
zwischen gesellschaftlichen Normen und persönlicher Wahrheit sowie das Zusammenspiel von Kindheit, Erinnerung und Erwachsenwerden.

Mai – Jenny Erpenbeck: Heimsuchung (2008)
An einem märkischen See steht ein Haus, das über zweihundert Jahre hinweg Zeugin deutscher Geschichte wird. Menschen kommen und gehen: eine Familie, ein Gärtner, Flüchtende und Rückkehrende, doch der Ort bleibt und bewahrt ihre Spuren. In präziser, poetisch verdichteter Sprache zeigt Jenny Erpenbeck, wie sich Geschichte in die Landschaft einschreibt und die Natur zum stillen Gedächtnis menschlicher Schicksale wird. Der Anfang des Romans lässt zugleich ahnen, dass der Mensch nur ein kurzes Intermezzo in der Dauer der Natur ist.

August – Kristine Bilkau: Halbinsel (2024)
Der Roman spielt primär in einem kleinen Dorf auf einer Halbinsel im nordfriesischen Wattenmeer. Annett ist Ende Vierzig und hat als Alleinerziehende alles getan, um ihrer Tochter Linn ein gutes Leben zu ermöglichen. Diese wird erfolgreiche Umweltwissenschaftlerin, doch während eines Vortrags bricht sie zusammen. Danach ist alles anders. Linn verlässt ihr vermeintlich erfolgreiches Leben und zieht wieder zu ihrer Mutter auf die Halbinsel zurück. Das neue Zusammenleben gestaltet sich dabei für die Mutter-Tochter-Beziehung als schwierig, zumal auch Annett in einer Phase ist, in der sie vieles in ihrem Leben überdenkt. Umgeben von der Naturkraft des Wattenmeeres werden Umbrüche, Verletzungen, aber auch Widerstandskraft der Protagonisten aufgezeigt.

November – T.C. Boyle: Blue Skies (2023)
In „Blue Skies“ schildert T. C. Boyle, wie eine amerikanische Familie mit den Folgen des Klimawandels kämpft. Zwischen Dürren, Überschwemmungen und persönlichen Krisen versucht jeder, auf eigene Weise zu überleben, doch ihre Bemühungen zeigen, wie schwer es ist, in einer Welt im Wandel Hoffnung und Kontrolle zu bewahren

Zur Historie des „Literarischen Salons“:

Die Idee des literarischen Salons entstand in einem Gespräch zwischen Franziska Biswanger, der früheren Leiterin der Büdinger Stadtbücherei und Dr. Volkmar Stein, ehemals Studienleiter am Büdinger Gymnasium und Gründungsmitglied des Kulturkreises, unter dessen Fahne die Reihe von Anfang an segelte.
Der Name erinnert an eine Zeit geselliger Kultur im frühen 19. Jahrhundert.

Wie damals, so fanden die Abende zunächst auch in Büdingen im privaten Rahmen statt – in der Wohnung von Franziska Biswanger (Brunostraße 12) die sie dafür großzügig zur Verfügung stellte. Dr. Volkmar Stein übernahm es, das Programm zusammenzustellen und das Gespräch, wo nötig, zu leiten. Am 31. Januar 1986 trafen sich in der Brunostraße 12 außer den beiden Initiatoren Gudrun und Martin Bauss, Dr. Klaus Peter Decker, Dr. Erich Edler, Otti Jaeger, Carla Kleinau, Thomas Kremer, Vera Ploch, Jürgen Thau und Dr. Franz Ullmann.

Die Regeln, die damals verabredet wurden, gelten noch heute. Man trifft sich in der Regel einmal im Monat – außer im sommerlichen Hauptferienmonat. Grundform ist das Gespräch über ein Werk der älteren, neueren oder zeitgenössischen Literatur, in das ein Mitglied der Runde auf seine eigene Weise einführt; im Idealfall haben das Werk alle Teilnehmer gelesen, die Realität weicht davon oft etwas ab. Andere Formen sind Lesungen aus eigenen Werken (Carla Kleinau, Hermann Knaus, Walter Schubert) oder Rätselraten über anonym vorgelegte Texte.

Das Ende jeden Abends bildet ein Gedicht, das nur vorgelesen, über das nicht diskutiert wird. Dieses Gedicht wählte zunächst die Hausherrin Franziska Biswanger aus. Als es ihr aus gesundheitlichen Gründen im Laufe des Jahres 1988 nicht mehr möglich war, ihre Wohnung zur Verfügung zu stellen, fand der Literarische Salon dank der Stadt Büdingen im Alten Pfarrhaus (lange Zeit als Uraltes Rathaus bezeichnet) gegenüber der Marienkirche eine schöne Bleibe. Der Brauch, eine Tasse Tee anzubieten, konnte beibehalten werden, weil die „Bürgerstube“ dafür gerüstet ist. Die Auswahl und den Vortrag des Gedichts übernahm Carla Kleinau.

Der literarische Salon hat einen kleinen Kern, die Teilnahme steht aber jedem Interessenten frei und schwankt stark. Als eine Massenveranstaltung war er nie gedacht. Seit 1986 war er an mehr als 300 Abenden für jeden der wollte, zu Gesprächen über die Merseburger Zaubersprüche und die göttliche Komödie, über Hesse und Thomas Mann, über Böll, Frisch, Grass und Lenz, über Thomas Bernhard, Robert Schneider und Judith Hermann geöffnet. Das ist in einer Zeit, in der die Moden so rasch wechseln, nicht wenig.

Dr. Volkmar Stein

Am 07. August 2026 haben wir in einer kleinen Feierstunde 40 Jahre „Literarischer Salon“ gewürdigt und uns beim Leiter der ersten 16 Jahre Herrn Dr. Volkmar Stein und den drei amtierenden „Salonnièren“ für ihr ehrenamtliches Engagement für die Literatur in Büdingen bedankt . Mit einer Historie von 40 Jahren (mit einer kleinen Unterbrechung von 18 Monaten in den Jahren 2020/21) ist der Büdinger Literaturkreis rekordverdächtig.

Foto: Grunewald
von links nach rechts: Vanessa dippel, Gudrun Bauss, Dr. Volkmar Stein, Oda Foerster, Julia Bopp, liegend: Markus Karger

2025 stand der Literarische Salon unter dem Leitthema „Eine literarische Weltreise“
Folgende Bücher standen auf dem Programm
Februar Aravind Adiga „Der weiße Tiger“
Mai Karina Sainz Borgo –  „Nacht in Caracas“
August Yoko Ogawa  „Insel der verlorenen Erinnerung“
November Abdul Razak Gurnah – „Nachleben“

2024 war das Jahresthema „Die Welt, in der wir leben“
Februar Bernhard Schlink – „Die Enkelin“
Mai Kazuo Ishiguro – „Klara und die Sonne“
August Behzad Karim Khani – „Hund, Wolf, Schakal“
November Andreas Maier –  „Die Heimat“  

2023 Leitmotto „Individuum und Gesellschaft“
Februar Thomas Mann – „Mario und der Zauberer“
Mai Brit Bennett – „Die verschwindende Hälfte“
August Anne Weber – „Annette. Ein Heldinnenepos“
November Serhij Zhadan – „Internat“ (verschoben auf Januar 2024)

2022 Jahresthema „Lebensalter“
Februar ausgefallen
Mai Juli Zeh„Neujahr“
August Daniela Krien„Der Brand“
November Robert Seethaler„Ein ganzes Leben“

2021 Jahresthema „Lebensalter“
November Bov Bjerg „Auerhaus“